Es gibt wenige Rituale in meiner Familie, aber alle haben mit Essen zu tun.
Eines hat es auf drei Generationen gebracht und war zuverlässig wie das Amen in der Kirche.
Die Antwort auf Omas Frage nämlich, was sie denn kochen solle:
“NUDDLESUPP!” – darauf bestanden Kinder, Enkel und Urenkel und Oma strahlte.
Und so setzte Oma im großen Topf kaltes Wasser mit einem Brocken Blechstück, 2-3 Markknochen, Zwiebeln und Karotten auf, legte später ins heisse Wasser ein kleines Stück Bug oder Wade, stellte die Platte klein und ging in die Kirche.
Ganz eigenwillig wird’s dann der Suppe im Teller.
Die Nudeln müssen Spaghetti sein, das Siedfleisch gehört ganz klein gewürfelt, mit auf den Teller muss Kartoffelbrei -quatsch: Herdäpfelschnitz!- und im besten Fall auch verkochter Wirsing.
Die Karotten bekam damals selbstverständlich ihr ältester Sohn und Maggi und Muskatnuss standen zum Nachwürzen bereit.
Bestimmt war das ursprünglich nur eine Methode, das sonntägliche Siedfleisch montags nochmal auf den Tisch bringen zu können.
Aber irgendwann hat nach dem keiner mehr gerufen.
Abgeschafft, verdrängt, verschwunden.
Natürlich muss dieses Ritual weitergeführt werden und nur -wirklich nur- deswegen steht im meinem Gewürzschrank die kleine braune Flasche…
Arthurs Tochter hat letzte Woche ihren Kalbsfond abgewartet und wie alle ihre Fonds bewahrt sie diesen in Twist-Off-Gläsern auf.
Nicht, dass ich noch nie so eingemacht hätte, eigenich hat das jahrzehntelang geklappt.
Bis es dann nicht mehr klappte und mir saurer Fond quer durch die Vorräte lief…
Aber nun bin ich an der Ehre gepackt und wage ich einen neuen Versuch!
Ein paar Scheiben fettes, knochiges Rind waren da. Die tun’s auch.
Großer Topf, alles rein, stundenlang sieden lassen.
In der Kirche war ich nicht.
Mein ältester Onkel hat nichts mitgekriegt und drum ist hier Karotte auf meinem heimlichen Teller.
Hat Oma bestimmt auch so gemacht.
Ich kann mich jedenfalls nicht erinnern, wo ihr Blechstück und die resichen Karotten immer abgeblieben sind.
Die heisse Brühe wird in ausgekochte Gläser gefüllt und diese auf den Deckel gestellt.
Damit Arthurs Tochter nicht am Verlust von Mehl und Zucker, Salz und Holzregalen
schuldig wird, bewahre ich die abgekühlten Gläser in einer Plastikwanne auf und überlege ernsthaft, doch mal zu beten.
Es ist übrigens die gleiche Wanne, in der sonst Gläser mit Weißkraut ganz absichich gären und überlaufen dürfen.
Hoffenich erzählt sie den Gläsern nichts davon…








hat super geschmeckt :) genau wie nach uromas methode, und falls noch was da ist geh ich mir gleich noch einen teller holen !
ich drücke mal ganz fest und eigennützig die Daumen. Am Ende fällt es ja doch nur auf mich zurück, wenns schiefgeht. ;)
Was ist ein Brocken Blechstück?
Ja, das solltest du tun!
Hab heute noch Sauerkraut angesetzt. Hoffentlich werden die sich mit dem gären einig…
Blechstück, ich hab extra nachgeschaut: das ist flache Rippe. Muss ich hier in Nordbaden auch immer mit Händen und Füßen erklären. Was echt nicht so einfach ist.
grundgütiger! nun sitze ich hier und bin fassungslos – ich möchte den teller so aus dem bild nehmen und essen. diese suppe. ich kann sie cshmecken, riechen. irre!
nudeln und kartoffelpüree und rindfleisch………..und ja, oho! maggi. nicht meine supertolle frei von allem ausser gemüsekräutermeersalz suppenwürze. nein, dazu gehört dann rotgelbdunklesbraun.
*seufz*
die wird nachgekocht.
danke für das sehr ansprechende, wunderbar bebilderte rezept!
Und dir danke für das Bild, auch wenn es mir etwas aufs Gemüt schlägt. Aber der Nebel ist schon auf dem Rückzug! :)
….auch wenn´s schräg aussieht – ich bin davon überzeugt, das schmeckt !
ich erinnere ein suppenrezept meiner oma……sie bereitete eine wunderbare erbsensuppe zu – erbsen, paar kartoffeln, möhren u n d immer ein stück salzfleisch…das ganze köchelte eine gute weile und verströmte einen tollen duft im haus. danach wurde die suppe püriert und das salzfleisch in kleinen stücken dazu gegeben…soweit noch nicht sehr ausgefallen……zum kröneneden abschluß kamen aber noch selbstgemachte nudeln in die suppe…2-3 mm breit, ca. 5 cm lang…die sahen immer gleich aus !……noch nie hab ich danach von einer erbsensuppe mit nudeln gelesen, obwohl ich davon überzeugt bin, es ist die beste erbsensuppe aller zeiten.
unsere omas wussten halt wie´s ging. ;-)
Das wussten sie wirklich!
Und satt sind wir immer alle geworden, und geschmeckt hat es und gut, dass wir solche Erinnerungen nicht verloren haben :)
[...] wird es wirklich kalt und wenn alle kränkeln und husten und schnupfen, dann muss es Suppe geben. Nuddlesupp wie bei Oma, mit Herdepfelschnitz und Karotten. Alles in einem Teller, da kennt auch Frau Küchenschabe [...]