Wenn man sich nicht vorbereitet,
und dennoch ganz viel von Jerusalem sehen möchte,
dann bucht man vielleicht eine Touristentour.
Steht morgens um 7:00 auf den Bus wartend vorm Hotel, zwängt sich mit fremden anderen auf die Bänke, lauscht einem gebildetem Führer und seinen oft schlechten Scherzen und fällt nach zehn Stunden verschwitzt, ermüdet und voll gewollter und ungewollter Eindrücke wieder heraus.
Es war furchtbar.
Leider habe ich meinem Gastgeber nicht ausgeredet, mich zu begleiten.
Verzeihung!
Doch der Reihe nach.
Sofort sagte ich zu, als ich erneut nach Tel Aviv eingeladen wurde. Hat mich doch mein erster Besuch vor wenigen Wochen schon tief beeindruckt.
Donnerstag abend kam ich an, die Nacht wurde lang, freitags heftiger Kater und die Bustour für den nächsten Tag gebucht. Zwischen fantastischen Burgern mittags -Lamm für mich, medium, lecker!- und einem soliden Abendessen im italienischen Restaurant am Hafen von Herzliya schob sich ein kurzer Abstecher in The White City.
Ein Weltkulturerbe mit ganz unterschiedlichen Gesichtern.
Samstag. Shabbat.
Busfahrt und ein erster Blick vom Mount Scopus über Jerusalem, den Tempelberg mit dem auffälligen Felsendom in der Altstadt.
Ein Vortrag über jahrtausende alte Geschichte beginnt jetzt und wird noch viele Stunden andauern.
Wir betreten die Altstadt duch das Jaffa-Tor und überlegen kurz, uns bis zum Treffpunkt für verlorengegangene Notfälle einfach abzusetzen. Artig folgen wir trotzdem. Durch das armenische Viertel betreten wir das jüdische.
Hinterm Stacheldraht geht es abwärts zum Platz vor der Westmauer (“Klagemauer”). Sicherheitsvorkehrungen wie an Flughäfen.
Am Shabbat ist rauchen, fotografieren und die Benutzung von Handys dort verboten.
Die 50-köpfige Gruppe geht bis zur Westmauer, das lassen wir aus Respekt bleiben.
Durch das Muslimische Viertel geht es weiter. Auch hier Geschichte allüberall.
Und eine Menge Märkte voll chinesischer Billigware.
Wir kaufen nichts.
Tatsächlich wird die Gruppe nun von Raffi in ein Kaufhaus im chrisichen Viertel geführt. Wir denken an Heizdecken und bleiben draußen. Die Tür hinter den anderen wird geschlossen.
Der Straßencafé-Betreiber nebenan kennt die Situation: sofort steht er vor uns, bietet Platz und Zitronenlimonade an.
Wir bestellen Falaffel dazu und fühlen uns erleichtert.
Die Altstadt verlassen wir durch das Zionstor mit seiner von Einschusslöchern übersäten Fassade.
In der Dormition-Kirche trinken wir einen schnellen Espresso im eingebauten Café mit deutscher Bedienung, während die resiche Gruppe ins Kirchenschiff geführt wird.
In den Raum des letzten Abendmahls über König Davids Grab müssen wir folgen, denn der Ausgang ist auf der anderen Seite.
Auf dem Weg dahin fangen die Kirchenglocken an zu läuten.
Ich fühle mich seltsam berührt.
Es folgt eine Busfahrt zur Kirche aller Nationen am Fuß des Ölbergs im Garten Gethsemani mit seinen vielen alten Olivenbäumen.
Auf der Rückfahrt schlafe ich ein.
Viel schönere Fotos, geschichiche und religiöse Hintergründe von all den bedeutenden Stätten findet ihr überall im Netz.
Aber einen kleinen Einblick in mein eigenes Erlebnis wollte ich euch geben.
Jerusalem, ich bereue keine Minute dort.
In solch einer Gruppe würde ich es trotzdem nicht wieder besuchen wollen.








Tja, hättste mal mich als private guide mitgenommen ;o) Aber so eine Tour gehört irgendwie dazu. Richtung Totes Meer hättet Ihr Diamanten und Kosmetika geshoppt. War bestimmt nicht Deine letzte Israel-Reise, nicht?
ich ziehe es auch vor, wichtige Sehenswürdigkeiten zu verpassen, und dafür ohne Gruppe einen Kaffee zu trinken.
Kaffee ist nie verkehrt. Ob ein religiöses Bauwerk eine wichtige Sehenswürdigkeit ist, kann im besten Fall jeder für sich entscheiden.
Zehn Stunden? Das ist wirklich hart, zumal die meisten Leute sich bei einer zweistündigen Führung schon kaum etwas merken können.
Die Dormitio Kirche wurde übrigens von dem Kölner Diözesanbaumeister Heinrich Renard gebaut, dessen bekanntestes Werk in Köln vor dem Brauhaus Früh steht: der Heinzelmännchenbrunnen.
Kaoskoch, wer weiss, was noch alles kommt :)
Zu sehen gibt es jedenfalls noch genug.
Ich hätte mir bei dir nichts anderes vorstellen können, Robert. Lästig auch diese Menschenmengen beim Fotografieren. Ist jemand aufgefallen, dass ich fast immer nach oben ziele? Drunter standen die schlechtgekleideten…
Ja nata, 10 Stunden. Incl. Busfahrt natürlich, aber das reisst’s nicht wirklich raus.
Dass die Kirche von einem deutschen Baumeister gebaut wurde, hatte ich gelesen. Aber mich tatsächlich nicht weiter damit beschäftigt. Nachlässig. Wird nachgeholt :)
Ich glaub´ das gehört so. Erstmal die volle Touri-Dröhnung und hinterher alleine an die Orte, wo sich´s lohnt.
Ich will auch mal da hin!
Ich kann dir dann die Telefonnummer von der Touri-Dröhnung geben…