Step 1 der Rekonvaleszenz lief gut.
Claus musste zugeben, wessen Spätzle die besseren sind.
Hat er zwar nicht, aber Protest aus’m Schuhschrank zählt nicht.
So bin ich also auf dem richtigen Weg und wage mich.
Leberspätzle!
Die Beste hat die besten gemacht, jedoch: Niemals mit mir.
Ich befürchte, ihr persönliches Rezept ist für immer verloren. Nachfragen bei der mindestens eine Generation jüngeren Verwandschaft brachte keine Ergebnisse.
Bitter.
Wir vergessen Rezepte, vergessen zu fragen. Und plötzlich sind sie weg.
Ausgerechnet mir passiert das. So sehr war ich doch hinterher, alles zu bewahren.
Ach verdammt.
Was ich nachfragen musste: Waren wirklich Zwiebeln im Teig? So wie es die Rezepte im Netz darstellen? Rohe Zwiebeln? Nein, das hätte meine Oma nicht gemacht. Hätte ich bestimmt auch geschmeckt?
Den Anblick der Leber, die durch den Fleischwolf gedreht wird, erspare ich euch. Um die Zwiebel trotzdem unterzubringen und die Leber bis aufs Letzte durchzuquälen, benutze ich eine als Druckmittel – Zwiebel kommt raus, Fleischwolf lebersauber.
300g Leber, 300g Mehl, 3-4 Eier, Salz.
Die Spätzle etwas dicker schaben als normale.
In viel Butter langsam braun braten.
Mit Kartoffel- und Ackersalat servieren.
Den Kartoffelsalat mit etwas Spätzlewasser schlotzen, damit er schwätzt.
Bitte! Bitte-bitte-bitte:
Fragt eure Alten! Die, die noch kochen können oder konnten.
Lasst uns das alles nicht vergessen!








Die bekäm ich aber auch durch die Presse, ich schwör! Und zugegeben hab´ ich garnix! Niemalsnicht!
Ach ja, vergessen! Gruß an Oma Hilde. Da kommen wir niemals ran…..
Das trifft mich direkt ins Herz. Kann meine” Beste” auch nichts mehr fragen. Schriftliches gabs noch nie.
Bin schon länger dabei, unsere Familienrezepte zu rekonstruieren und immer ganz glücklich wenn es mir gelingt.
Leberspätzle mit Endiviensalat gehören auch dazu.
So viel Glück hatte ich, dass ich tatsächlich noch am Herd mit ihr stand.
Die Generation vor mir wollte davon nichts wissen, wollten sich absetzen vom althergebrachten.
Wie schade das alles ist :/
Sobald ich sie wiedertreffe, Spätzlequäler. Sie ist ganz weit oben jetzt :)
Tipp übrigens für die Presse: Ganz knapp übers heisse Wasser halten, dann werden sie am besten.
Und jetzt zurück ins Eck!
Ja, da erinnerst Du mich so sehr an den unvergessenen-leider-vergessenen Kalbsbraten in Rahmsauce. Irgendwann kommt der Tag und dann koche ich ihn, einfach so und ich weiß, alles wird gut. Ich werde von oben begleitet :-).
Auch fuer dich: Eingmachtes Kalbfleisch. Ich bin sehr sicher, dass es das so in Bayern auch gab!
Eigentlich kann ich bei schwäbischen Gerichten nicht wirklich mitreden. Aber ich habe gerade am Wochenende mit einer waschechten Schwäbin gekocht, die darauf besteht, dass Spätzle vom Brett geschabt werden und niemals nicht durch eine Presse kommen. Das seien dann Knöpfle. Ist das jetzt der Unterschied zwischen Ober- und Unterschwaben oder wie? ;)
Niemals durch die Presse!
Wir – die Ästhetik-Fraktion – dankt :)!
So langsam brauche ich dringend mal wieder einen Teller handgeschabter Spätzle – schon deine Käsespätzle…
Deal: Du schickst mir die Ästhetikfraktion, ich dir die Späztle. Eingeschweisst, selbstverständlich!
Ich hab meiner Mama nach dem Tod meiner Oma das uralte Familienkochbuch abgeschwatzt. Die handschriftlichen Rezepte sind großteils noch in Kurrentschrift und für mich schwer zu lesen. Aber ich übertrage immer wieder mal ein Rezept ins Leserliche und koch es. Und freu mich dann, wenn das Ergebnis an ein Essen bei Oma erinnert …
Ihr habt ein Familienkochbuch?
Oh mann, das macht mich neidisch!
Auch wenn man das Familienkochbuch retten kann, muss man trozudem fragen. Mir gings gerade mit “Eigmachd Kalbfleisch” so – ach weisst du, das steht da nicht drin, aber das mach ich immer so – obwohl ich nach DEM Rezept gefragt hab!
Schau, grad das eingmachte Kalbfleisch, an das kann ich mich gar nicht erinnern. Hat aber meine Mutter vor ein paar Jahren angefangen nachzukochen und ich habe eine grobe Idee, wie das geschmeckt haben sollte.
Der Link zur Besten fuehrt dahin :)
Nun sind wir wieder am Punkt, was eigentlich authentisch ist.
“Eigentlich” ist ein böses Wort.
Was Essen angeht, habe ich nur Erinnerung an Omas und höchstens noch deren Geschwister, also zwei Generationen vor mir.
Wem von uns geht es denn anders?
Ich glaub meine Ur-Großmutter hat den Adel bekocht. Aber da sind weder Details noch Rezepte überliefert. Danach komm erst wieder ich und wenn die Nachfahrenschaft Glück hat, gibt´s in Hundert Jahren noch Internet ;-)
ach, ich habe leider schon ganz lange niemanden mehr, den ich fragen könnte…
So bewahre ich Arthurs Rezepte wie einen Schatz und erfinde ständig neue, auf dass unsere Tochter sie in Ehren halten und weitergeben möge. Vielleicht bin ich dann ein bisschen ein neuer Anfang, der Gedanke klingt mir ein wenig tröstlich.
ach heike, du sprichst mir aus der seele. so viele schätze sind vielleicht schon verloren? aber wir geben uns jetzt mühe und empfinden die alten rezepte nach und bald sind wir die alten und werden es besser machen mit dem überliefern.
a propos kochbuch???
Ach Heike, da muss ich schlucken. Seit meine Oma im letzten Jahr mit knapp 90 noch einmal einen Herzinfarkt überlebt hat, habe ich immer einen Kloß im Hals, wenn ich sie nach einem Besuch im Rückspiegel sehe, wie sie vor dem Haus steht und wir uns winken. So lange, bis wir uns nicht mehr sehen. Bis vor ein paar Jahren hat mich das auch alles nicht interessiert, jetzt sitzen wir oft einfach nur da und sie erzählt von früher, ich genieße das und bin sehr dankbar. Denn, wie Du sagst, plötzlich sind sie weg.
“Den Kartoffelsalat mit etwas Spätzlewasser schlotzen, damit er schwätzt” – this is real, girl! :-D
Alexander ja, jetzt gibt’s ja das Internet :)
Du hast recht AT, ein neuer Anfang klingt tröstlich und muss ja gar nichts verkehrtes sein!
pe: zuviel Arbeit. Ich bin doch so faul. Vielleicht sollte ich den Blog ausdrucken…
Das ist eine komische Sache, Christina, nicht wahr? Lange haben uns die alten Geschichten gelangweilt, aber irgendwann will man sie doch wissen, bewahren.
Ich hatte damals den Eindruck, mein Opa war sehr erleichtert, dass er endlich von seinen Erfahrungen im Krieg erzählen konnte. Das hat er offenbar all die Jahre schwer mit sich herumgetragen. Und ich war froh, ihn erzählen zu hören.
Fragt eure Alten:
Keine rohen Zwiebeln, sondern gedämpfte.
Gruss
Mama
Ich habe gerade mal die vielen alten Kochbücher meiner Mama durchstöbert, da wurde auch immer eine Zwiebel in den Teig getan. Morgen fahr´ ich zu meiner Oma und werde mal nachhorchen.